Alle Jahre wieder
kommt der Tag,
den man wohl meinen Geburtstag nennt.
Schon wieder
bin ich
ein Jahr
älter geworden.
Ich bin älter geworden,
ohne das Gefühl zu haben
mein Leben
im Griff
zu haben.
Der Tag
fängt
viel zu früh an
und als mein Papa
mich
mit einem Geburtstagsständchen
weckt,
muss ich kurz lächeln,
aber
die Müdigkeit
und die Dunkelheit
schlägt
mir bitter böse
ins Gesicht
und
ich
vergrabe
mich noch tiefer
in meine Einhorn Bettwäsche.
Erst nachdem mein Papa
noch zwei mal
in mein Zimmer gekommen ist,
versuche ich aufzustehen.
Mein Papa
hat mir im Wohnzimmer
einen Geburtstagstisch
vorbereitet.
Eine Kerze leuchtet,
Geschenke liegen
auf den Tisch
und
einen Strauss
voller roter Rosen
blickt mir entgegen.
Es scheint für die Außenwelt
alles ganz schön zu klingen,
doch ich habe die ganze Zeit
das Gefühl
weinen zu wollen.
Ich will mein Papa
seine Freude
nicht versauern,
also
setze
ich
ein freundliches Gesicht auf.
Als ich dann in der Kita bin,
merke ich
wie ich mich
ein bisschen entspanne,
wahrscheinlich auch deshalb,
weil mir dann M.
doch noch gratuliert hat.
In meiner Gruppe
ist alles
mit Einhörner
dekoriert,
da
meine Kolleginnen
wissen,
wie sehr ich die doch mag.
Ich bekomme eine Einhorn Krone aufgesetzt,
dann singen alle Kinder
aus der ganzen Kita
für mich
Happy Birthday
und
überreichen mir Geschenke.
Ich muss meine Tränen zurückhalten
und zum Schluss
gibt
es
noch
eine riesen großen Gruppenumarmung.
Alles scheint so harmonisch,
aber ich weiß ganz genau,
Geburtstag in der Kita zu feiern,
ist wie in einer Seifenblase zu leben.
Du spürst keinen Schmerz,
alles scheint so friedlich
und
deine Gefühle
sind
nicht
erreichbar für dich.
Doch als ich aus der Kita gehe,
merke ich wie die Seifenblase platzt,
da meine Mutter
draußen
schon
auf mich
wartet.
Ich
versuche
an meinen
gefälschten Lächeln
fest zu halten.
Sie redet und redet
und ich wünsche mich
einfach nur weit weg.
Zuhause angekommen,
hole ich als erstes
die Sektflasche rauf,
um ihre Worte zu ertragen.
Sie möchte nichts trinken,
also bleibt für mich selbst
mehr übrig.
Ich wünsche mir ein Joint her,
damit ich den Rauch
ihr
ins Gesicht
pusten kann
und
um innerlich
ganz weit
von ihr
entfernt zu sein.
Es scheint so,
als würde ich mein Geburtstag
mit jemanden vollkommen Fremden zu verbringen.
Als sie dann noch damit anfängt,
dass ich sie doch endlich mal besuchen soll,
starre ich nur noch auf die Uhr
und hoffe das die Zeit schnell umgeht.
Die Sektflasche
wird
immer leerer
und
mein Herz
füllt sich mit Alkohol.
Als sie sich
dann
auf den Weg machen
möchte,
wird sie sentimental,
fängt an zu weinen
und sagt:
"Ich liebe deinen Vater immer noch,
aber ich habe
das alles
hier nicht mehr ertragen."
Nach diesem Satz
hätte
ich
sie
am liebsten
sofort
rausgeschmissen.
Aber der Alkohol
hält mich davon ab
und dann ist sie auch schon aus der Tür raus.
Ich trinke den letzten Tropfen
von der Flasche aus.
Ich rauche
gleich zwei Kippen nacheinander
und ich schaffe es einfach nicht
diesen Satz von ihr
zu vergessen.
Ich verziehe mich unter meine Einhorn Decke
und höre so lange Musik
bis mein Papa
zur Tür
herein kommt
Natürlich sage ich ihm nicht all die Sachen,
die meine Mutter
von sich gegeben hat.
Das würde ihn nur verunsichern.
Er hat genug zu kämpfen
mit all dem.
Als dann noch vor dem Abendessen
meine Großeltern
bei uns klingeln,
bröckelt mein Fassade.
Von dem ganzen künstlichen Grinsen
tut mein Gesicht
schon weh.
Als dann
noch eine
nächste Sektflasche
aufgemacht wird,
trinke ich mein erstes Glas auf Ex
und
gieße mir schnell
noch ein nächstes Glas ein.
Ich habe heute mehr Sekt
als Blut
in meinem Venen.
Schon wieder fangen
sie von meinem Hund
an zu erzählen
und ich merke
schon wieder
wie ich meine Tränen
zurückhalten muss.
Dieses Thema
ist wie eine offene Wunde,
die keiner sieht,
aber sie blutet ständig,
wenn das zur Sprache kommt.
Natürlich kommt
wieder mein Kindheitswolf
ins Spiel
und
ich gehe schnell aufs Klo.
Da kann ich meine Tränen
nicht zurückhalten.
Ich weine und weine,
aber ich habe keine Zeit
für all die Tränen,
deswegen
setze ich mich
wieder aufs Sofa.
Nachdem meine Großeltern
sich verabschiedet haben,
fängt
mein Papa
an mir Sachen
an den Kopf
zu werfen
und
wieder
fange ich an zu weinen.
Ich kann es einfach
nicht mehr
aufhalten
und ich sehe wie Tränen
auf mein Essen tropft.
Wir räumen den Tisch ab
und
ich gehe schnell
eine rauchen.
Aus eine Kippe
wird zwei
und um endlich aufhören zu weinen,
verbrenne ich mir meine Haut.
Der Schmerz
lenkt mich
leider nicht
von der Traurigkeit ab.
Ich hole mir noch zwei Bier
und merke mal wieder
das der Alkohol
all das das
Dunkle nicht aufhalten kann.
Ich weiß
ganz genau
warum ich meinem Geburtstag
nicht mag.
All die dunklen Gedanken
kommen wieder zum Vorschein
und schon wieder
wird mir klar,
warum ich nicht mal 16 Jahre alt
werden wollte.
Auch wenn viele Sachen
sich verändert haben,
vergeht keine Woche
an dem ich mir nicht wünsche,
endlich tot zu sein.