Du hälst mich so sanft
in deinem Arm,
als wäre ich
das zerbrechlichste und kostbare Wesen
auf der Welt.
Selbst über meine Narben
streichelst du so sanft,
als wären sie bedeutend
und nicht so hässlich,
wie die Blicke
von anderen Leuten
mir so oft gezeigt haben.
Du zeigst mir eine Seite
von einem Mann,
den ich schon das ganze Leben lang
vermisst habe.
Irgendwann zeigen alle Männer,
die ich je in meinem Leben gelassen habe,
ihre wahre Seite
und die ist alles andere als sanft.
Eher aggressiv,
grob,
Empathie los
und Trieb gesteuert.
Ich kann immer noch nicht fassen,
wie nah ich einem Mann sein kann,
ohne das er mich grob anfasst.
Je näher ich einen Mann gekommen bin,
desto lauter
ist das Wort Sex
im Raum.
Egal wie sehr ich die Schreie
des Triebes von den Männer
auch schon ignorieren wollte,
früher oder später
lag ich immer
splitterfasernackt vor ihnen
und mein Kopf
fing ständig an zu dissoziieren.
Splitterfasernackt zu sein bedeutet
auch immer für mich,
mich ganz weit zu wünschen,
wo alles friedlich und sicher ist.
Wo ich unberührbar sein kann
und die ängstliche Panik
keinen Raum
in meinem Körper
einnimmt.
Wo ich nicht
literweise Alkohol trinken
und in der einen Hand
kein Wunderkraut haben muss,
um die Geschehnisse
nicht mit vollen Sinnen
ertragen zu müssen.
Doch du scheinst mir so anders zu sein.
Bei dir muss ich mich nicht entblößen,
um für dich wichtig zu sein.
Selbst ungeschminkt
und mit unreiner Haut
streichelst du mein Gesicht
und lächelst mich an.
Du willst
selbst nach mehreren Treffen
noch Kontakt
mit mir halten
und hörst mir zu
und sorgst dafür,
dass ich auch mal was esse.
Selbst wenn die hungrigen Zeiten
bei mir wieder ankommen sind,
schaffst du einen Raum,
wo ich nicht ständig darüber nachdenken muss,
wie unförmig mein Körper geworden ist.
Seit es zwischen M. und mir
so verwirrend geworden ist
und ich seit Jahren
sein wahres Gesicht
zu sehen bekommen habe,
ist das Gefühl,
dass kein Mensch
mich je wieder freiwillig
und wahrhaftig
lieben könnte
unfassbar groß geworden.
Jetzt liege ich neben dir im Bett,
wo du meine Hand hälst
und spüre,
dass ich für andere Menschen mehr sein kann,
als nur eine nackte Hülle,
die sich ständig fügt
und schweigt,
wenn Sachen passieren, die ich kaum ertrage.
Ich kann auch eine Zuflucht sein,
nicht nur für betrunkene
und grobe Männer,
sondern auch für Personen,
die mir ihr Vertrauen schenken.
Ich kann eine gute Freundin sein,
ohne bei jedem Satz Angst zu haben,
dass ich das kaputt mache.
Ich kann mich fallen lassen,
ohne sofort
auf den harten Asphalt
der biestigen Gedanken zu fallen.
Bei dir wachse für eine Zeit aus der Opferrolle heraus,
die seit meiner Kindheit an mir klebt.
Bei dir kann ich mehr sein,
als ein missbrauchtes kleines Reh,
was den Sinn des Lebens nicht mehr sehen kann.
Und das bedeutet mir die Welt.

