Ich will nie wieder etwas empfinden müssen: Ich will, dass mir alles uneingeschränkt egal ist. Und ich werde niemanden mehr das Recht geben, mich zu verletzen. Ich werde nie wieder jemanden nah genug an mich her ranlassen, um berührt zu werden.






Ich distanziere mich 
von allen und jeden. 
Ich sehe keinen Sinn mehr
 darin 
mich
 andere Menschen 
zu öffnen
. Ich bin einfach müde 
davon
 die gleichen Menschen 
in anderen Körpern
 zu treffen. 
Bei der Therapie 
war ich
 schon lange nicht mehr, 
weil ich dann 
nur mit Lügen
 um mich 
schmeißen würde. 
Und das würde keinen etwas bringen. 
Ich möchte nichts mehr
 von mir erzählen, 
weil immer nur 
die gleichen Worte 
fallen würden.
 Irgendwann sind es andere Leute 
leid zu hören,
 dass man das Gefühl hat
 nicht in diese Welt 
zu passen. 
Das der eigene Körper 
eine Schamleinwand ist, 
die man
 einfach nur 
zerstören möchte. 
Der Selbsthass
 lässt mich 
ersticken 
und alle erwarten 
von mir
 das ich trotzdem 
weiter atme. 
Doch wer hört einen zu, 
wenn selbst das atmen zur Last wird? 
Ich suche in den Drogen etwas, 
was mir kein Mensch geben kann. 
Selbst die Horrortrips
 ertrage ich noch besser, 
als die Nähe von Männer. 
M. erzähle ich schon 
lange nichts mehr
 von mir. 
Wenn er mir erzählt 
wie schlecht es ihm geht, 
ertrinke in der Trauer 
und ich versuche alles zutun, 
damit es ihm besser geht. 
Ich würde mich 
von ihm anschnauzen lassen 
und all seine Wut aushalten, 
um ihn dann minutenlang zu umarmen.
 Auch wenn ich eigenlich jemand bräuchte, 
der mich wortlos in den Armen hält,
 wenn alles in mir zerbricht. 
Doch selbst das 
könnte ich nicht aushalten. 
Diese enge Umarmung 
würde mich nur daran erinnern, 
dass das zu etwas führen würde,
 was ich von selbst nie einfordern würde. 
Nackte Nähe
 bringt
 Scham
 und davon 
habe ich
bis zu meinem Tod genug. 





Death ain’t shit, I’d rather die than be alive in this life





 
Ich verstehe mein Leben 
im Moment selber nicht mehr.
 Ich bin ständig so übermüdet. 
Ich finde in der Nacht 
keinen Schlaf mehr. 
Wenn die Kinder
 in der Kita 
Mittagschlaf abhalten,
 schlafe ich immer mit ein. 
Seitdem jemand 
aus meiner alten Realschulklasse 
mich 
wegen einen Klassentreffen
 angeschrieben hat, 
träume ich 
ständig
 von Männer, 
die mich vergewaltigen
 und von den Wölfen. 
Schweiß gebadet
 wach ich dann auf 
und fühle mich so beschmutzt.
 Ich will nicht 
zu diesem Klassentreffen
 gehen, 
da ich es nicht ertragen könnte, 
den Klassenwolf zu sehen. 
Allein wenn ich 
seine Bilder 
auf Facebook 
oder Instagram sehe, 
wird mir schlagartig übel. 
Ich weiß
 all das 
ist schon so lange her,
 aber die Erinnerungen daran 
sind immer noch nicht verblasst.
 Ich weiß noch
 wie er mir Honig ums Maul 
geschmiert 
hat 
und ich habe es zugelassen,
 weil ich
 endlich mal 
irgendwo 
ankommen wollte. 
Ich wollte 
nicht die Ewige 
verkorkste Neue 
in der Klasse sein. 
Doch wie konnte ich auch denken, 
dass ein Kerl 
ohne Hintergedanken nett zu mir ist.
 Ich falle jedes mal aufs Neue 
in diese Masche herein.
Und was könnte ich auch auf den Klassentreffen erzählen. 
Das einzige
was 
 einigermaßen
 gut 
läuft
 ist meine Arbeit. 
Aber ich kann 
dort nicht
 mit meinen 
suizidalen Verhaltensweisen 
prahlen. 
Niemand möchte ich hören, 
dass man 
sterben möchte 
und alles dafür tut, 
um nicht länger atmen müssen. 
Ich kann nicht damit angeben,
 dass ich mir ständig Drogen einwerfe, 
um für einen kurzen Moment 
die Realität nicht mehr ertragen 
zu müssen.
 Ich kann nicht
 mit Sätze
 um mich werfen, 
die ausdrücken.
wie ich tagelang 
nichts esse
 und wenn ich dann 
mal was esse,
so viel esse, 
dass mir schlecht wird, 
dass das Essen 
wieder hochkommt
 und ich laute Abführmittel schlucke, 
damit die Nahrung
 so schnell wie möglich
 nicht mehr
 in meinem Magen ist. 
Ich kann nicht davon erzählen, 
dass ich keine Mutter
 mehr habe 
und das sie mich unter Druck
 setzt 
und sich nur mit mir trifft, 
um meinen Papa
 schlecht zu reden 
und um mir 
Vorwürfe
 zu machen. 
Ich kann nicht davon erzählen,
 wie Stimmungsschwankungen 
meinen Alltag bestimmen 
und ich oftmals
 das Gefühl habe,
 dass alle Menschen
 mich entweder hassen
 oder sich wünschen
 mich nie
 gekannt zu haben.
 Ich kann nicht davon erzählen,
 dass ich mit einem Kerl zusammen bin,
 der so viele Gefühle 
für mich besitzt wie ich
 Lebensmut besitze.
 Aber ich trotzdem 
so abhängig
 von ihm bin 
und ihm ständig verzeihe, 
weil er mir jedes mal 
aufs neue zeigt,
 dass ich Gefühle besitze,
 die mir nicht schmerzen. 
Ich hätte niemals gedacht, 
dass ich mich
 irgendwann wieder 
auf einen Kerl einlassen kann. 
Doch es kam alles anders
 und oftmals weiß ich nicht,
 ob das alles so gut ist.
 Menschen machen mir Angst.
 Sie können so schnell 
ihre Meinung
 ändern,
Sie können sich so
 schnell verändern, 
dass man sie früher
 oder
später 
nicht mehr wieder erkennt. 
Und irgendwann wacht man
neben einer Person auf, 
die einen nichts mehr als Schmerz
und Trauer schenkt.
Irgendwann
guckt man in den Spiegel 
und merkt 
das man nur noch 
eine Hülle ist,
die sich selbst 
hinten anstellt 
und alles tut, 
nur damit der andere
einen nicht verlässt.
Alles in einen
 kann ich einfach nicht 
zu diesem Klassentreffen
 gehen.
 Ich war nie ein richtiger Teil 
von dieser Klasse. 
Ich war einfach nur da 
und habe versucht
 nicht negativ
 aufzufallen,
 auch wenn meine Fehlzeiten
 eine andere Geschichte
 erzählten.
In diesem einem Jahr,
wo ich in dieser Klasse war,
 wurde ich seit meiner Kindheit 
das erste Mal 
wieder missbraucht. 
Und das wurde zur trauriger Regelmäßgkeit. 
Wenn es wirklich einen Gott geben würde, 
dann würde er mich eindeutig hassen. 
Als würde er mir extra die Wölfe schicken, 
damit ich mit jedem weiteren Übergriff 
ein weiteres Stück Lebenswillen
 verliere. 
Wenn es so weiterläuft,
 erreiche ich nicht die 30.