"Meine Wortgewalt wurde gebrochen. An dem Tag, als ich mir selbst meine Stimme verbot."






Ich trete mit meinem Knie gegen die spitze Kante.
"Ich brauche keine Klinik."
Ich trete nochmal dagegen.
"Ich spüre keinen Schmerz."
Das Knie wird rot. Ich trete weiter dagegen.
"Ich fühle mich dreckig. Ich möchte mit keinem Mann mehr Kontakt haben. Ich möchte nicht mehr sexualisiert werden."
Mein Bein wehrt sich. Ich muss all meine Kraft zusammen nehmen und ich trete nochmal dagegen.
"Warum fühle ich unter Drogen so viel? Warum ist all die Wut und all die Traurigkeit vereint, wenn ich vollkommen betäubt bin? Ist es weil diese Droge früher ein Mädchen genommen hat mit der ich so viele schöne Momente verbinde, aber wenn ich in die Zukunft blicke, weiß ich, dass ständig irgendwas uns im Wege steht. Wir erreichen uns nicht mehr. Wir berühren uns nicht mehr. Du reichst einen anderem Mädchen die Hand und ich erfriere weiterhin an der Kälte. An der Kälte, die sich in unsere Herzen geschlichen hat."
Ich setze mich auf dem Boden. Alles dreht sich. Um mich herum ist es so dunkel. Nur die Weihnachtsbeleuchtungen von meinen Nachbarn scheinen in unser Wohnzimmer. Ich schaue auf mein Knie. Es wird schwillt an. Endlich spüre ich den Schmerz. Mein betäubter Körper spürt seit Wochen endlich wieder was. Ich fange an zu weinen.
"Vielleicht brauche ich wirklich eine Klinik."
Ich gehe mit langsamem Schritten auf die Terrasse, zünde mir eine Kippe an und drücke sie mir auf meinem Arm aus.
"Ich weiß nicht mehr, was ich tue. Es braucht nur eine kleine Sache. Ein Lebensmittel. Ein Weihnachtslied. Weihnachtsdekoration. Und ich falle. Falle in ein Loch voller Dissoziation. Voller Selbstverletzung. Ich kann mich selbst nicht mehr halten. Oder gar ertragen. Wenn einmal meine Gefühle entflammt sind, brennen sie alles nieder. Die Menschen, die ich mochte. Mein kleiner sicherer Rückzugsort. Alles steht in Flammen. Selbst ich. Nur die Erinnerungen leben weiter. Die Erinnerungen an die gebrannte Kindheit leben ständig in meinem Kopf weiter. Wie soll ich da nicht wahnsinnig werden? Bin ich ein Kind in einem erwachsenen Körper? Oder bin ich ein Erwachsener, der in seinem Verhalten viele kindliche Seiten aufweist? Ich fühle mich einfach nur klein. Viel zu klein. Wie soll ich da in einer Klinik gehört werden? Wer soll da meine Stimme hören, wenn ich nur fließend stumme Worte spreche? Wie soll ich jemals gehört werden, wenn ich eigentlich am liebsten für den Rest meines Lebens schweigen möchte?"