Ich hoffe das sind die letzten Worte, die ich dir widme.

Lieber M.,
findest du es nicht auch komisch, dass wir uns erst drei Jahre nicht gesehen haben, aber in dieser Woche gleich zweimal? Als ich dich in der Bahn gesehen habe mit der gleichen Frisur wie vor drei Jahren und der selbem Lederjacke, hat mein Herz vor Panik so laut geschlagen, dass ich dachte jeder kann es hören, auch du. Erst auf dem zweiten Blick hast du mich erkannt. Ich weiß es, weil ich dein Blick auf mir gespürt habe. Als ich aus der Bahn gestiegen bin konnte ich meine Tränen endlich freien Lauf lassen. Mir war so übel, dass ich dachte ich übergebe mich gleich vor den ganzen Autos, die an mir vorbeifuhren. Die ganzen Erinnerungen an unsere Zeit schossen mir ins Gehirn. In diesem Moment dachte ich, dass ich all den Schmerz nicht aushalte. Das ich mir lieber eine Pistole an den Kopf halten würde, als wieder die gleiche Verzweiflung zu spüren, die aufkam, als du mich seelisch ausgehungert, manipuliert, geschwängert und in der Zeit der Abtreibung mich betrogen und mich komplett ignoriert hast, als ich dich um mein Gespräch gebeten habe. Bevor wir ein Paar wurden, waren wir gut Freunde. Ich habe dir geholfen, als dir schlecht ging wegen einer Trennung und du hast mir geholfen meinen Kopf auszuschalten. In unserer ersten Zeit war ich so gefangen in meiner Selbstzerstörung und meiner Isolation. Ich war plötzlich so froh jemanden an meiner Seite zu haben, mit dem ich lachen kann und mein Kopf für eine Zeit still war. Aber hätte ich gewusst, dass sich alles so schnell in das Grauen verwandelt, hätte ich dir nicht eine Sekunde von meiner Zeit geschenkt. 
Als du eben an mir vorbeigefahren bist, dein Kopf zu mir gedreht und mich gefühlt zehn Stunden angestarrt hast, hätte ich dir am liebsten den Mittelfinger gezeigt. Ich möchte nicht mehr wegen dir weinen. Ich habe keine Kraft mehr dafür. Mit all den Tränen, die ich wegen dir geweint habe, kann man glaub ich, ein ganzes Meer füllen. 
Ich weiß nicht wie es dir damit geht mich wiedergesehen zu haben. Einen kleinen Funken Hoffnung habe ich, dass es dir all das leid tut. Obwohl ich eigentlich genau weiß, dass du genauso viel Empathie besitzt, wie meine narzisstische Mutter. 
Ich danke dir für gar nichts,
N. 

The voices in my head keep telling me I'm not okay. It's feeling like a hurricane in my brain.

Die Weihnachtslichter leuchten in ihren schönsten Farben, doch ich bin so leer. Die letzten Wochen fraßen mich von innen auf. Den Gang auf dem Friedhof, um meinen Großvater zu beerdigen und zu spüren wie der Verlust und die Trauer mich ein Loch schubst, wo nichts mehr ist außer Dunkelheit, die mein ganzes inneres einnimmt. Meinen Kindheitswolf in die Augen zu blicken und genau zu wissen, dass er mein Kindheits-Ich all den Sinn des Lebens geraubt hat. Die Wochen voller Überstunden auf der Arbeit, die mir meine letzten Nerven raubten und mich nur erschöpft zurück ließ. Die Schlaflosigkeit, die in meinem Körper wohnte, spielte Spielchen mit mir. Wer schafft es länger wach zu bleiben, ohne die Fassung zu verlieren? 

Die ganzen Erinnerungen, die in dem Weihnachtsmonat hausen, jagen mir Jahr für Jahr Angst ein. Den Weg zur meiner Therapeutin wäre so beruhigend, wäre nicht die Dissoziation und eine Begegnung mit meinem Ex-Freund, die alle die traumatisierende Erinnerungen an unsere Zeit vor meinen Augen wie ein Horrorfilm ablaufen lässt. Genau in diesem Moment schreit mein Kopf und mein Körper  nach Hilfe und als ich endlich aus der Bahn aussteige, merke ich wie wackelig meine Beine sind und ich am liebsten wie in den Filmen mitten auf der Straße zusammen brechen möchte. In der Therapiestunde laufen nur noch  Verzweiflungstränen. Die ganzen Wochen haben mich nicht nur aufgefressen, sondern auch mir den kleinsten Funken Hoffnung genommen. Ich spüre deutlich, ich möchte nicht mehr hier sein. Nicht mehr in so eine Welt, die mir ständig meine größten Ängste vor die Füße spuckt.