"Kummer stillt Hunger besser als Brot."





Tavor ist mein Frühstück,
weil ich genau weiß, 
dass ich diesen Tag nur im Nebel ertrage.
Seit Wochen trage ich mal wieder roten Lidschatten, 
aber nur um mich wie jemand anderes zu fühlen. 
Meine Unkrauthaare
hängen 
in Strähnen 
runter,
wie mein Blick 
der sich von dem Boden 
nicht lösen kann. 
Die Sonne scheint
wie vor 6 Jahren, 
wo ich den gleichen Weg gehen musste. 
Ich fühle mich angreifbar, 
fange an zu zittern 
und möchte keine Menschen 
um mich haben. 
Ich sehe lauter Mütter mit Kindern,
was mir dieser Weg noch schwieriger macht. 
Selbst die Kippe in meiner Hand 
gibt mir keine Erlösung. 
Ich kralle mich fest daran 
und würde mich lieber 
an jemanden anderem festhalten, 
der Bestand hat. 
Die ausgedrückte Kippe 
lässt mich an mich selbst denken, 
wie gern würde ich mich selbst
einfach ausdrücken, 
bis meine ganze Glut erlischt. 
Menschen schauen mich an
und ich würde mich so gern
für meine hässliche Fratze entschuldigen, 
die sie anschauen, 
An der Apotheke angelangt 
sammele ich all meinen Mut zusammen. 
Ich bin auf jede Reaktion vorbereitet 
und das erste Mal im Leben 
danke ich den komischen Virus, 
da sich unser Gespräch zum Schluss 
nur noch darum geht.
Ich desinfiziere meine Hände 
und gehe so schnell ich kann 
aus der Apotheke. 
Ich sitze mich an der Bushaltestelle hin,
lese die Zettel,
die mir die Apothekerin mitgegeben hat 
und die Packungsbeilage. 
Meine Hände hören nicht auf zu zittern 
und dann schlucke ich diese Pille 
und bin nicht erleichtert. 
Mein Herz füllt sich mit Scham
und ich falle in einem Topf 
voller Nebel. 
Jeder Gedanke dazu verschwinden im Nebel,
bis ich beim Zahnarzt auf dem Stuhl sitze 
und auf meine Zahnärztin warte. 
Komische Tagträume machen mich unruhig
und lassen mir das schlimmste 
vor meinen Augen abspielen. 
Ich will einfach nur Ruhe. 
Ruhe von dem Tag, 
der mir so viel Kraft gekostet hat. 
Ruhe von mir selber
und meinem Körper.





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