Die Geschichte über meine Narben sind lang, viel zu lang um
es in einem Text zusammenzufassen. Ich glaube das alles kann man auch einfach
nicht in Worte fassen. Für manche Sachen gibt es keine Wörter. Manchmal sind
Wörter einfach nur Worte. Leere Hülsen, leere Bierdosen die vergammelt in der
Ecke stechen. Nur ich weiß über das alles Bescheid. Jede einzelne Narbe hat
auch eine Berechtigung. Manchmal entstanden in einer Effekthandlung, manche
weil ich das Gefühl hatte zu ersticken, wenn ich nicht sofort die Klinge ansetze. Ich schaue
auf meine Arme und sehe nur Schmerz und Erinnerungen. Jedes einzelne werde ich
nie vergessen. Ich werde nie vergessen wie ich in der Schule gemerkt habe, dass
meine Wunde am Oberschenkel einfach nicht aufhören wollte zu bluten und ich
somit zu den Lehrer und dann zu einem Arzt geschickt wurde. Dieser Moment ist
so ein prägend, so voller Scham. Wenn ich daran denke springt mir die Scham
gleich ins Gesicht. Oder eine andere Narbe, wo mein Papa reinkam und mir eine
scheuerte als er das gesehen hat. Nichts kann das je vergessen. Wir reden nicht
darüber, aber ich spüre den Schmerz immer noch. Jede einzelne Selbstverletzung
hatte mehr oder weniger einen Grund. Ich weiß noch wie ich zweimal mir
kochendes Wasser über meine Arme geschüttet habe, einfach weil die Gedanken mir
das befohlen haben. Und es tat nicht soweh wie die Gedanken, die mich quälten.
Einmal verbrannte ich den BH nachdem ein Wolf mich in seine Höhle gezogen hat.
Ich hab ihn mit leeren Augen und in der Hoffnung verbrannt, dass diese Zeit
niemals wiederkommt. Doch sie kam und sie wurde immer schlimmer. Ich vergesse nicht, wie er
danach überall rumerzählte ich wäre eine Schlampe. Auch wenn mein beiden
einzigen Freunde in der Zeit das nicht glaubte. Aber ich kam mir so schäbig
vor. Als ich wirklich so, als wäre ich in lauter Nähe gefangen. Die
Erinnerungen gehen noch weiter. Plötzlich machte mein Freund Schluss, von dem
ich dachte, er liebt mich. Doch er hat mein immer höher steigerndes Gewicht nicht
ertragen und verließ mich. Auch wenn ich ihn nie hassen könnte hat mich sein
Verhalten so angewidert, so traurig gemacht, dass ich angefangen habe zu
trinken. Ich stohl mir sämtliche Alkoholflaschen. Und trank fast jeden Abend so
als wäre es meine letzte. So viele Selbstmordversuche vergingen in dieser Zeit.
Ich konnte es nicht ertragen, dass er so viel von mir wusste, mich berührte
obwohl ich das nicht wollte, und mich trotzdem verlassen hat. Nichts passte mehr.
Alles war nur in Dunkelheit und Alkohol ertränkt. Dann kamen die ganzen Wölfe,
als hätte ich sie zu mir gelockt. Nichts hatte mehr einen Sinn. Und mein Essen
wurde immer weniger. So lang bis ich Wochen nichts mehr aß und trotzdem noch
wie ein Elefant aussah. Meine Narben wurden mehr. Der Dreck, der auf mir
lastete, verschwand einfach nie. All die Scham kleidete mich ein, so das ich
nur mit leeren Augen durch die Straße ging. Jetzt hat es sich kaum geändert.
Ich bin immer noch mit Dreck und Scham beladen. Ich bin in der Angst und in der
Stille gefangen. Diese ganzen Missbräuche vergehen nie. Egal wie viel Schnaps
ich nun trinke. Dieser Ort wird mich auf ewig daran erinnern. Auch an das
kleine Mädchen, was jetzt tot im Wald begraben wurde. Ich finde kaum Worte um
zu beschreiben wie es mir jetzt geht. Alles ist leer und ohne Sinn. Das
Selbstverletzten gibt mir grad Kraft, was so erbärmlich klingt, dass ich gleich
meine Hände gegen die Wände hau. Ich will einfach nur dahin wieder zurück, wo
alles lauter warmen Farben war. Mein Mädchen, ich will zu dir zurück. Ich
weiß gar nicht wie du es mit mir aushält. Ich bin eine leere Hülle, aber mein Herz
gehört nur ihr.
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Dieser Text ist so verdammt ehrlich, dass jedes Wort sticht und schmerzt und laut schreit... es gibt nichts, was ausreichend wäre, zu erwidern.
AntwortenLöschenIch ... denke an dich. Immer, auch wenn ich nicht immer da bin, zu schreiben.
Nichts von dem, was dir angetan wurde, kann ich rückgängig machen, aber ich kann dir sagen... du bist nicht mit Dreck und Scham beladen. Du brauchst dich deiner nicht zu schämen und ich sehe keine Dreck auf dir. Ich sehe in dir das kleine Mädchen und die verzweifelte junge Frau.
Ich wünsche euch beiden nur das Beste. Immer.
auch wenn du das nicht siehst, dieser Text zeigt wie unheimlich stark du bist. Du schafsst so viel mehr als du denkst. und wenn dir die warmen Farben um dich herum fehlen, dann mal sie einfach (:
AntwortenLöschen♥