Die Kinder spielen im Hof und ich bin innerlich tot.

Ich bin schon so lange leblos, doch wache jeden Tag auf und lasse das Leben auf mich regnen. Ich bin wieder etwas sportlich aktiver und versuche meine Ernährung umzustellen, was eigentlich nur heißt, dass die Essstörung wieder all meine Sinne übernommen hat. Mein Körper ist immer noch eine Hülle, die mit meinen impulsiven Gedanken und meinem Handeln gekennzeichnet ist.
Es scheint als hätte M. mich blockiert und die unlogische Reaktion darauf ist, wieder eine toxische Person in meinem Leben zu lassen, und zwar ich selbst. 

Ich bin in einer toxischen Beziehung mit dem Monat Januar

 

Ich dachte immer

meine Depression

zeigt sich mit zu viel Alkohol. 

Doch nun jetzt, 

wo meine Welt 

sich in den Tod gestürzt hat, 

renne ich von Arzttermin 

zu Arzttermin,

um das letzte lebende 

in mir 

auch noch

zu töten. 

Der Alkohol 

liegt trostlos 

in der Ecke. 

Ich schaffe es kaum 

mich zu bewegen

ohne 

zu 

weinen

oder Schmerzen 

zu haben. 

Vielleicht lasse ich den Alkohol liegen,

weil ich es nicht verdient habe 

Linderung zu erfahren. 

Ich verstehe mich selber nicht mehr. 

Ich weiß nur eins,

so tief bin ich noch nie gesunken. 

So verfalle ich in Stille 

und der,

der eigentlich mit mir im selben Boot sitzt, 

tut es mir gleich. 

Die Stille ist so ohrenbetäubend, 

dass kein Wort 

der Welt 

beschreiben könnte, 

was in mir vorgeht. 

Ich habe viel Blut verloren und ich bade darin.



There’s a lot of small-girl hurt stuck in this big girl body. And I think that I was better at dealing with it when I was still a child.

 


Seitdem wieder Flashbacks mein Nervensystem in Brand gesetzt haben, finde ich mich zitternd und fast weinend bei meiner Therapeutin wieder. Ich spüre mein Handgelenk pulsieren, genau dort wo eine frische Brandwunde meine Haut verunstaltet. Meine Worte fallen nur so aus meinem Mund und ich weiß gar nicht mehr wo oben und unten ist. Ich habe das Gefühl, dass ich kein Boden mehr unter meinem Füßen habe, sodass ich immer falle. Falle. Falle. Ich brauche all meine Kraft um nicht zu weinen. Ich erzähle von der gewaltigen Macht eines Moments, der mich tausend Tode sterben ließ. Der Regen prasselt gegen die Scheibe. Alles ist dunkel. Ich spüre die Angst, die zu Panik wird. Ich möchte schreien. Wegrennen. Doch alles in mir bleibt in Schockstarre. All meine Kraft hat sich ganz klein gemacht und sich unter dem Bett versteckt. Ich spüre deine Hand, die mir immer näher kommt. Die Schwere deines Körpers. Ich ersticke. Ich ersticke. Denke ich. Immer und immer wieder. Ich versuche deine Hand wegzuschieben, doch du bist stärker. Ich bin wieder klein viel zu klein. Ich wünschte, ich würde mich in Regen verwandeln und einfach von dir weg schwimmen.

Als die Therapiestunde vorbei ist sagt meine Therapeutin noch: "Ich sehe die Dunkelheit über dir schweben." Und genauso fühle mich. Verfolgt von der Dunkelheit, die immer stärker wird, wenn Weihnachten schon vor der Tür steht, klopft und schreit, dass ich es reinlassen soll. Tavor hilft kaum und wenn nur mit viel Alkohol. Noch Tage spüre ich diese Schwere. Als würde ein Wolf auf mir liegen und mich mit all seiner Kraft nach unten drücken und die Hand auf meinem Mund legen. Ich wünschte, ich könnte all diese Erinnerungen aus meinem Kopf aussperren. Sie sollen in der Kälte erfrieren und aufhören mir das Gefühl zu geben, als wäre ich machtlos. 

https://www.youtube.com/watch?v=jN0aELsVQFA



Mein Geisterblog verschwimmt im Nebel, aber hier bin ich wieder, bis mich meine Wortlosigkeit wieder verschluckt

 


Heute ist Freitag und ich spüre beim aufwachen ein bisschen mehr Energie, die ich die letzten Tage so vermisst habe. Ich entwirre meine geflochtene Haare und trinke dabei meine vegane Vanillemilch. Ich rauche zwei und schaffe es sogar roten Lidschatten aufzutragen. Auf der Arbeit fragen mich die Kinder aus meiner Gruppe "Warum ich denn plötzlich Locken habe und warum rote Farbe auf meinen Augen ist?". Ich kenne diese Fragen und antworte immer gleich "Weil es mir gefällt." Sonst sieht man mich nur ungeschminkt und mit roten glatten Haare, die oft total verwuschelt sind. Ich halte mein Integrationskind, die Autismus hat, die meiste Zeit auf dem Arm, rede mit der Frühförderung und spüre, dass ich so langsam Fuß gefasst habe, als Integrationskraft, obwohl ich dazu keine Ausbildung gemacht habe. Ich laufe umher um Sachen zu erledigen, schimpfe, wiege das Essen ab für das Kind, was Diabetes hat, lege meine kleine Zwerge schlafen, helfe beim anziehen, rede mit meinen KollegInnen und endlich schlägt die Uhr 14 Uhr und ich mache mich auf den Weg zum Auto meines Papas, der mich um diese Zeit immer abholt, damit wir zusammen einkaufen gehen. Mein Einkauf ist immer gleich: viel Gemüse, vegane Lebensmittel, Toast, Eiskaffee, Gewürzgurken und Bier. Jedes Mal aufs neue motzt mein Papa im liebevollen Ton "Warum hast du immer noch kein Fahrstuhl im Treppenhaus eingebaut", als wir die Einkäufe hoch tragen. Und als ich mein Bier einräume sagt er mal wieder: "Du trinkst viel zu viel." Wir rauchen noch eine auf meinem Balkon und wie jedes Mal, wenn wir uns im meiner Wohnung treffen, fragt er mich: "Fühlst du dich hier wohl? Hast du dich hier eingewöhnt? Fühlst du dich in der großen Wohnung nicht alleine? Möchtest du am Wochenende wieder zu uns kommen?" So viele Frage und muss an die letzten Therapiestunde denken, wo meine Therapeutin sagte: "Das alleine sein in der Wohnung tut dir nicht gut. Du isolierst dich viel zu sehr. Du brauchst Menschen, zu denen du eine Bindung spürst." Aber ich antworte mein Papa: "Mir geht es hier gut. Ich habe mich eingewöhnt und für mich ist die Wohnung nicht zu groß."  Ich umarme mein Papa zum Abschied und packe all meine Einkäufe weg. Vegane Lebensmittel, Gemüse, Toast und Bier halten mich am Leben. Was irgendwie ironisch klingt für meinen Magen, weil ich so viele Tage in der Woche, kein Essen zu mir nehme. Was das über mich aussagt, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich im Moment immer ein Bier im Rucksack habe und mich unruhig fühle, wenn ich das mal vergesse habe. AlkoholikerInnen kennt man aus Bücher oft nur als gewalttätig. Ich erinnere mich an meine frühere besten Freundin, wo die Mutter Alkohlikerin war (und wahrscheinlich noch ist) und sie meiner Freundin einmal versucht hat mit einem Kissen zu ersticken und sie deshalb so oft bei mir übernachtet hat. Ich möchte mich von dieser Art von Alkoholismus nicht identifizieren. Ich war noch keinem Menschen über gewalttätig. Nur zu Gegenständen und gegenüber mir selber. Es macht mich unruhig darüber nachzudenken, dass diese Diagnose eigentlich zu mir gehört. Ich kratze eine Wunde auf, die schon seit Wochen nicht verheilt und schaue meine kaputte Hände an, die bei jeder Bewegung brennen. Das alleine sein in meiner Wohnung schiebt mich immer mehr in die Dunkelheit. Hier ist kein Rettungsanker, der mein Papa ist. Hier brauche ich mein Alkoholkonsum nicht verstecken. Hier kann ich mich so lange in Selbstzerstörung suhlen, bis ich nicht mehr weiß, wer ich bin, außer das.  Kann kein Engel sein, weil der Teufel diese Welt regiert. Muss mich verschwenden. Meine Grenzen klär' ich selbst mit mir. 




i have been a ghost since i was a child, i don’t know how to turn myself into a person

 


Eine Spinne neben mir,

die todesmutig 

in den Abfluss springt. 

Ich wünschte, 

ich könnte es ihr gleich tun.

Der Abgrund ist 

momentan eh 

meine zweite Heimat. 

Meine Welt dreht sich so schnell 

wie eine Todesspirale,

wo es nur Verlierer gibt.

Mir wird ständig schlecht 

und ich möchte ständig nur schlafen. 

Meine Worte rennen vor mir weg, 

als würden sie wissen,

dass nur noch tote Asche bleibt,

wenn ich sie ausgesprochen habe.

Wahre Liebe gibt es nicht so wie Bielefeld




Self care is getting so drunk that you forget you hate yourself







Ich habe wirklich alles versucht. 
Ich habe eiskalt geduscht, 
bin auf meinem Balkon barfuß 
auf und ab gegangen 
mit lauter Musik, 
habe viel geraucht
und viel getrunken, 
habe gegen Wände geschlagen 
und versucht mich 
mit Youtube Videos abzulenken. 
Doch die Dunkelheit zerfrisst 
meinen Körper 
so sehr, 
dass ich nicht mehr weiß
wohin mit meinen Gefühlen. 
Nach der schönsten Zeit 
fühle ich mich wie ein Geist, 
der durch meine Wohnung 
herum irrt. 
Ich weiß nicht mehr wohin 
mit mir, 
wenn ich nicht ihre Anwesenheit spüre.
Ich habe lange nicht meine Haut zerstört 
und ich dachte 
mit meinen 25 Jahren
wäre 
diese Sache 
endlich unter den Tisch gekehrt.
Doch dieser Selbsthass 
erschreckt 
mich
immer dann, 
wenn die Traurigkeit 
meinen Körper 
heimsucht.
Der Mond scheint durch mein Fenster,
betrachtet mich
und ich habe das Gefühl,
dass er enttäuscht von mir ist
und meine jämmerliche Seite
am liebsten nicht sehen würde.
Ich kann mein Verhalten 
nicht
beschönigen.
Dazu habe ich auch 
keine Kraft mehr dafür. 
Ich wäre ja schon froh, 
wenn ich es morgen schaffen würde
meine Haare zu waschen.
Ich würde nächste Woche 
am liebsten 
bei meiner Arbeit anrufen 
und sagen, 
dass ich nicht arbeiten komme,
weil ich mich fühle, 
als würde ich 
Stück für Stück 
verschwinden. 
Die Realität 
widert mich an.
Ich möchte so lange 
schlafen 
bis ich endlich weiß, 
wo sich das Glück versteckt, 
wenn ich nicht bei ihr bin. 
Ich kann sehr gut allein sein. 
Ich kann meine Wände
mit lauter Bilder gestalten, 
nachmittags anfangen zu trinken 
und mein Bett kaum verlassen, 
aber all das bringt mir nichts, 
wenn der Realitätsschock 
einsetzt 
und ich so lange weinen möchte,
bis mein Zimmer 
ein Meer
aus Gefühlsabfällen wird. 




Ich bin nichts als eine Schnapsidee






Meine erste eigene Wohnung.
Ein Drahtseilakt aus 
Alkoholiker Verhalten,
Wahrnehmungsstörung, 
lauter Herzschläge voller Hungern 
und zu viele Medikamente, 
pünktlich die Miete überweisen, 
wenig Geld fürs Essen ausgeben
um sich andere Sachen leisten zu können. 
Voller Gedanken wie: 
"Warum sollte ich viel Geld für Essen ausgeben, 
wenn mein Körperbild mir sagt, 
dass ich so wenig Essen wie möglich verdient habe?" 
Meine Wohnung soll mein Zuhause sein. 
Dort wo ich sein kann wie ich bin.
Doch das was ich bin, 
sind lauter psychische Krankheiten, 
die ich nicht abschütteln kann. 
Die Nächte sind nur voller 
verwirrende Träume, 
die der erhöhten Medikation  
und den Alkohol geschuldet sind. 
Ich sollte aufatmen. 
Ich bin einen neuen Schritt gegangen. 
Ein weiterer Schritt des Erwachsens werden, 
doch ich kann das nicht sehen. 
Ich werden ab August mehr Verantwortung 
in meiner Arbeit tragen 
und mein Hirn 
rotiert 
und findet keine Ruhe,
weil ich mich kenne. 
 Kann ich diese Verantwortung tragen? 
Werde ich versagen, 
weil ich das alles nicht gewachsen bin?  
Ich brauche ein Pausen-Knopf in meinem Leben.
Ich brauche endlich Ruhe. 
Eigentlich brauche ich immer Ruhe, 
doch das Leben 
dreht sich viel zu schnell 
und ich komm nicht mit. 
Ich bleibe stehen.
Alle scheinen mich zu überholen
und ich starre nur vor mich hin 
und hoffe,
dass niemand sieht, 
wie ich im Boden versinke.