Fahr uns nach Hause. Du bist viel betrunkener als ich




 


Deine Worte 

fluten den Raum 

voller Hass und Zerstörung. 

Ich sitze gegenüber von dir 

und meine Worte haben 

ihren Klang 

verloren. 

Ich habe keine Stimme mehr.

Hatte ich die überhaupt mal? 

Ich weiß nicht wie ich deine Wut 

händeln soll.

Meine Tränen 

schreien mich an 

und ich versuche 

meine Panik klein zu halten. 

Du hast so viel Gewalt erlebt, 

dass ich nicht mal mehr weiß, 

ob ich das alles auffangen kann. 

Ich kenne deine Hintergrundgeschichte.

Ich wünschte, 

ich könnte dir eine andere schenken. 

Ich kann deinen Hass 

verstehen, 

aber ich konnte sie nie zulassen so wie du. 

Meine Worte 

klingen so monoton, 

dass ich mich dafür selber hasse. 

Ich möchte dich zu meiner Therapeutin schicken 

und du 

willigst ein. 

Du brauchst Hilfe,

die ich nicht leisten kann. 

Ich fühle mich so schwach, 

wie schon lange nicht mehr. 

Deine eiskalten blauen Augen schreien

voller Verzweiflung 

und ich halte deine Hand. 

Hilft dir das? 

Ich denke nicht. 

Wenn du zu viel trinkst 

wirst du depressiv, 

was ich verstehen kann. 

Ich könnte nie das aussprechen,

was du in den letzten Stunden

mir offenbarst hast. 

Du sprichst 

von Ex Freundinnen 

und ich weiß nicht mal 

warum ich überhaupt hier bin. 

Ich möchte deine Gefühle auffangen, 

bevor sie dich zerreissen, 

aber meine Hände sind zu klein

für diese gewaltige Kraft. 

Du hast fast den ganzen Jägermeister alleine ausgetrunken.

Ich bleibe bei meinem Bier, 

obwohl ich mir denke, 

dass ich für solche Gespräche 

2 Promille brauche. 

Ich möchte, 

dass du weiterlebst, 

aber würde es verstehen, 

wenn du das nicht schaffst.

Deine frischen Wunden 

triggern mich, 

sowie der blutige Pulli im Bad. 

Doch das kann ich dir nicht sagen. 

Wie auch, 

wenn deine Worte 

mir meine rauben. 

Ich habe das Gefühl, 

dass du meine Worte 

sowieso keinen Glauben schenkst. 

Ich hasse deine Misogynie Witze, 

auch wenn du die nie ernst meinst. 

Ich möchte dich mit warmen Gefühlen 

zudecken, 

doch die Nähe erdrückt mich 

und ich wünschte,

ich könnte weinen 

wie Alice im Wunderland. 

Ich bin viel zu klein

und zu verkopft 

um in Ruhe einzuschlafen. 

Die Vögel singen 

mein Todeslied. 

Ich sehne mich nach einer 

offener Wunde, 

die ich mir dann schlussendlich 

zufüge, 

als ich zuhause bin.

Das Wochenende 

war 

der 

Horror. 

Ich wünschte, 

ich hätte einen Blackout,

so dass ich das alles auf einen Schlag vergessen könnte.  

Vertraue dir, himmelblaue Flecke als Souvenir




How do you stop yourself from trying to kill yourself when you want to kill yourself


Ich lasse alles an mir vorbei ziehen. 

Das einzig gute an meinem Leben, 

beende ich, 

damit der Tod 

nun bessere Chancen bei mir hat. 

Mein Bauch ist immer voll

mit Bier und Zigarettenrauch. 

Ich wanke durch meine Existenz

und lasse mich 

in meinen Träumen 

zur Tode erschrecken. 

Drück noch fester 

meinen Hals.

Ich möchte nichts mehr spüren. 

Zieh eine Line, 

ich habe eh nichts mehr zu verlieren 

außer meine Schande, 

die in meinen Adern pulsiert. 

Ich schlucke Pille für Pille 

und schmücke mich 

mit abfälligen Kommentaren, 

die ich nicht ertrage, 

aber hey, 

wer zu tief in sich hinein blickt,

findet auch den Notausgang 

nicht mehr. 

Lila Rauch, ich weiß ich sollte es lassen. 

Ich hör nicht auf mich selber zu hassen.





Stinke nach Suff, bin kaputt





Heute ist ein Tag, 

wo der Horror vorprogrammiert ist. 

Gefühlt noch betrunken 

starte ich den Tag 

und mein Kopf 

erinnert mich 

an all den Alkohol, 

der in meinem Magen 

Randale macht. 

Ich halte mich an meiner Kippe fest, 

aber ich falle trotzdem 

in einem Strudel 

voller verhassten Erinnerungen.

Ich möchte diesen Tag nicht erleben. 

Noch weniger möchte ich den Tag 

überleben. 

Im Laufe des Tages 

möchte ich 

mein Kopf 

gegen die Wand hauen, 

oder mir etwas schlimmeres antun. 

Meine Gedanken haben kein Halt. 

Keinen positiven Weg, 

den ich gehen kann. 

Die Tränen möchten 

aber einen Weg 

nach draußen finden, 

was ich konsequent verweigere,

außer in meiner Pause, 

wo ich Minutenlang 

die Bäume anschaue

und nicht weiß 

wie atmen überhaupt geht. 

Heute ist ein Jahrestag 

eines Tages, 

der mich traumatisiert hat. 

Ich habe eine Entscheidung getroffen, 

die ich niemals rückgängig machen kann. 

Ich habe meine kleine Erbse 

in meinem Bauch

kein Leben geschenkt. 

Ich weiß, 

ich hätte niemals eine Mama sein können, 

die meine kleine Erbse gebraucht hätte, 

doch jetzt, 

wo so viel Zeit vergangen ist

spüre ich den Schmerz. 

Ich konnte ihn niemals hinter mir lassen. 

Egal wie oft 

ich mit meiner Therapeutin darüber geredet habe

oder

egal wie oft ich wusste,

dass ich genau richtig gehandelt habe,

der Schmerz zerreisst 

und der Vorfall traumatisiert mich. 

Es fühlt sich so an, 

als würde mein Leben 

eine Traumastrichliste führen.

Wie viel Trauma 

kann ich in meinem Herzen tragen, 

bis ich komplett verrückt werde? 

Für mich liegt die Antwort auf der Hand. 

Genauso viel wie ich jetzt gerade tragen muss. 

Ich möchte eine andere Hintergrundgeschichte. 

Die ich jetzt habe, 

macht mich zu einem Menschen, 

den ich nicht mehr ertragen kann.

https://www.youtube.com/watch?v=MiL7uzVB6M0




Die Kinder spielen im Hof und ich bin innerlich tot.

Ich bin schon so lange leblos, doch wache jeden Tag auf und lasse das Leben auf mich regnen. Ich bin wieder etwas sportlich aktiver und versuche meine Ernährung umzustellen, was eigentlich nur heißt, dass die Essstörung wieder all meine Sinne übernommen hat. Mein Körper ist immer noch eine Hülle, die mit meinen impulsiven Gedanken und meinem Handeln gekennzeichnet ist.
Es scheint als hätte M. mich blockiert und die unlogische Reaktion darauf ist, wieder eine toxische Person in meinem Leben zu lassen, und zwar ich selbst. 

Ich bin in einer toxischen Beziehung mit dem Monat Januar

 

Ich dachte immer

meine Depression

zeigt sich mit zu viel Alkohol. 

Doch nun jetzt, 

wo meine Welt 

sich in den Tod gestürzt hat, 

renne ich von Arzttermin 

zu Arzttermin,

um das letzte lebende 

in mir 

auch noch

zu töten. 

Der Alkohol 

liegt trostlos 

in der Ecke. 

Ich schaffe es kaum 

mich zu bewegen

ohne 

zu 

weinen

oder Schmerzen 

zu haben. 

Vielleicht lasse ich den Alkohol liegen,

weil ich es nicht verdient habe 

Linderung zu erfahren. 

Ich verstehe mich selber nicht mehr. 

Ich weiß nur eins,

so tief bin ich noch nie gesunken. 

So verfalle ich in Stille 

und der,

der eigentlich mit mir im selben Boot sitzt, 

tut es mir gleich. 

Die Stille ist so ohrenbetäubend, 

dass kein Wort 

der Welt 

beschreiben könnte, 

was in mir vorgeht. 

Ich habe viel Blut verloren und ich bade darin.



There’s a lot of small-girl hurt stuck in this big girl body. And I think that I was better at dealing with it when I was still a child.

 


Seitdem wieder Flashbacks mein Nervensystem in Brand gesetzt haben, finde ich mich zitternd und fast weinend bei meiner Therapeutin wieder. Ich spüre mein Handgelenk pulsieren, genau dort wo eine frische Brandwunde meine Haut verunstaltet. Meine Worte fallen nur so aus meinem Mund und ich weiß gar nicht mehr wo oben und unten ist. Ich habe das Gefühl, dass ich kein Boden mehr unter meinem Füßen habe, sodass ich immer falle. Falle. Falle. Ich brauche all meine Kraft um nicht zu weinen. Ich erzähle von der gewaltigen Macht eines Moments, der mich tausend Tode sterben ließ. Der Regen prasselt gegen die Scheibe. Alles ist dunkel. Ich spüre die Angst, die zu Panik wird. Ich möchte schreien. Wegrennen. Doch alles in mir bleibt in Schockstarre. All meine Kraft hat sich ganz klein gemacht und sich unter dem Bett versteckt. Ich spüre deine Hand, die mir immer näher kommt. Die Schwere deines Körpers. Ich ersticke. Ich ersticke. Denke ich. Immer und immer wieder. Ich versuche deine Hand wegzuschieben, doch du bist stärker. Ich bin wieder klein viel zu klein. Ich wünschte, ich würde mich in Regen verwandeln und einfach von dir weg schwimmen.

Als die Therapiestunde vorbei ist sagt meine Therapeutin noch: "Ich sehe die Dunkelheit über dir schweben." Und genauso fühle mich. Verfolgt von der Dunkelheit, die immer stärker wird, wenn Weihnachten schon vor der Tür steht, klopft und schreit, dass ich es reinlassen soll. Tavor hilft kaum und wenn nur mit viel Alkohol. Noch Tage spüre ich diese Schwere. Als würde ein Wolf auf mir liegen und mich mit all seiner Kraft nach unten drücken und die Hand auf meinem Mund legen. Ich wünschte, ich könnte all diese Erinnerungen aus meinem Kopf aussperren. Sie sollen in der Kälte erfrieren und aufhören mir das Gefühl zu geben, als wäre ich machtlos. 

https://www.youtube.com/watch?v=jN0aELsVQFA



Mein Geisterblog verschwimmt im Nebel, aber hier bin ich wieder, bis mich meine Wortlosigkeit wieder verschluckt

 


Heute ist Freitag und ich spüre beim aufwachen ein bisschen mehr Energie, die ich die letzten Tage so vermisst habe. Ich entwirre meine geflochtene Haare und trinke dabei meine vegane Vanillemilch. Ich rauche zwei und schaffe es sogar roten Lidschatten aufzutragen. Auf der Arbeit fragen mich die Kinder aus meiner Gruppe "Warum ich denn plötzlich Locken habe und warum rote Farbe auf meinen Augen ist?". Ich kenne diese Fragen und antworte immer gleich "Weil es mir gefällt." Sonst sieht man mich nur ungeschminkt und mit roten glatten Haare, die oft total verwuschelt sind. Ich halte mein Integrationskind, die Autismus hat, die meiste Zeit auf dem Arm, rede mit der Frühförderung und spüre, dass ich so langsam Fuß gefasst habe, als Integrationskraft, obwohl ich dazu keine Ausbildung gemacht habe. Ich laufe umher um Sachen zu erledigen, schimpfe, wiege das Essen ab für das Kind, was Diabetes hat, lege meine kleine Zwerge schlafen, helfe beim anziehen, rede mit meinen KollegInnen und endlich schlägt die Uhr 14 Uhr und ich mache mich auf den Weg zum Auto meines Papas, der mich um diese Zeit immer abholt, damit wir zusammen einkaufen gehen. Mein Einkauf ist immer gleich: viel Gemüse, vegane Lebensmittel, Toast, Eiskaffee, Gewürzgurken und Bier. Jedes Mal aufs neue motzt mein Papa im liebevollen Ton "Warum hast du immer noch kein Fahrstuhl im Treppenhaus eingebaut", als wir die Einkäufe hoch tragen. Und als ich mein Bier einräume sagt er mal wieder: "Du trinkst viel zu viel." Wir rauchen noch eine auf meinem Balkon und wie jedes Mal, wenn wir uns im meiner Wohnung treffen, fragt er mich: "Fühlst du dich hier wohl? Hast du dich hier eingewöhnt? Fühlst du dich in der großen Wohnung nicht alleine? Möchtest du am Wochenende wieder zu uns kommen?" So viele Frage und muss an die letzten Therapiestunde denken, wo meine Therapeutin sagte: "Das alleine sein in der Wohnung tut dir nicht gut. Du isolierst dich viel zu sehr. Du brauchst Menschen, zu denen du eine Bindung spürst." Aber ich antworte mein Papa: "Mir geht es hier gut. Ich habe mich eingewöhnt und für mich ist die Wohnung nicht zu groß."  Ich umarme mein Papa zum Abschied und packe all meine Einkäufe weg. Vegane Lebensmittel, Gemüse, Toast und Bier halten mich am Leben. Was irgendwie ironisch klingt für meinen Magen, weil ich so viele Tage in der Woche, kein Essen zu mir nehme. Was das über mich aussagt, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich im Moment immer ein Bier im Rucksack habe und mich unruhig fühle, wenn ich das mal vergesse habe. AlkoholikerInnen kennt man aus Bücher oft nur als gewalttätig. Ich erinnere mich an meine frühere besten Freundin, wo die Mutter Alkohlikerin war (und wahrscheinlich noch ist) und sie meiner Freundin einmal versucht hat mit einem Kissen zu ersticken und sie deshalb so oft bei mir übernachtet hat. Ich möchte mich von dieser Art von Alkoholismus nicht identifizieren. Ich war noch keinem Menschen über gewalttätig. Nur zu Gegenständen und gegenüber mir selber. Es macht mich unruhig darüber nachzudenken, dass diese Diagnose eigentlich zu mir gehört. Ich kratze eine Wunde auf, die schon seit Wochen nicht verheilt und schaue meine kaputte Hände an, die bei jeder Bewegung brennen. Das alleine sein in meiner Wohnung schiebt mich immer mehr in die Dunkelheit. Hier ist kein Rettungsanker, der mein Papa ist. Hier brauche ich mein Alkoholkonsum nicht verstecken. Hier kann ich mich so lange in Selbstzerstörung suhlen, bis ich nicht mehr weiß, wer ich bin, außer das.  Kann kein Engel sein, weil der Teufel diese Welt regiert. Muss mich verschwenden. Meine Grenzen klär' ich selbst mit mir.