ich wühle in meinen erinnerungen. jede einzelne erinnerung verbinde ich mit lauten, schreienden gefühlen.
es ist egal, wie lang sie schon her sind, an manchen tagen schreien sie so laut, das ich sie selbst höre, wenn ich mir die ohren zu halte. mit den schreien kommen lauter bilder. sie sind so hell, dass sie mich blenden, und ich nichts anders machen kann als sie anzuschauen.

jahre früher:


weiße wände, 
so hell, 
so beängstigend. 
ich schwimme in einen meer, 
kämpfe gegen die hohen wellen 
der verzweiflung an, 
doch ich scheitere kläglich 
und gehe lautlos unter.
meine beine gehorchen mir nicht. 
sie wollen nicht weiter gehen, 
sie wollen in sich zusammen sacken, 
und warten 
bis der wind 
mich fort bringt. 
fort von dieser welt, 
die mit blut getränkt ist. 
ich spüre das blut 
es fließt 
und fließt. 
doch ich habe jede kraft 
an der klinge verbraucht 
um jetzt die blutung stoppen 
zu können. 
menschen kommen auf mich zu, 
schieben mich in einen raum, 
platzieren mich 
auf eine liege. 
befehlen mir 
liegen zu bleiben 
und ja nicht 
wegzulaufen. 
sie warten darauf 
das ich ein laut von mir gebe 
doch jede träne 
versiegelt meinen mund. 
ich höre schreie, 
verzweifelnde schreie
von einer mutter, 
die wohl meine mutter
sein sollte. 
ihre worte triefen voller hass, 
als sie es sieht. 
meine hässliche wunde
die für angst
und lebensunfähigkeit steht. 
ihr hass 
lässt mein herz erfrieren. 
tränen laufen über ihre wangen. 
es werden immer mehr, 
und ich bekomme angst, 
das sie in ihren 
eigenen tränen 
ertrinkt. 
die vorwürfe kommen von allen seiten. 
alle sind sich einig, 
das tier in mir 
muss weggesperrt werden. 
der arzt 
holt sein wunderfaden, 
der mich am leben erhalten soll, 
heraus und versucht 
mit jeder weiteren naht, 
mit jeden weiteren einstich,
mich wieder zusammen zu flicken, 
wieder leben in mein körper zu tunken. 
er versucht meine leere hülle 
mit lebensweisheiten 
zu füllen. 
doch all das bringst nichts. 
in meinen kopf 
wütet weiter eine schlacht, 
die ich nur verlieren kann. 
niemand scheint den Tod 
in der ecke des zimmers 
zu bemerken. 
er lächelt mich an
sein körper ist voller blut. 
und er flüstert: 
"das nächste mal schaffst du es. 
ganz bestimmt. 
ich werde dir nicht von der seite weichen, 
versprochen."
ich möchte die fäden 
aus meinen oberschenkel reißen, 
und warten bis mein körper 
kein blut mehr zu verfügung hat. 
doch der arzt packt mich,  
so das ich mich nicht bewegen kann. 
ich bin hier falsch, 
der himmel ist mein zuhause, 
doch der arzt 
scheint das anders zu sehen. 
er fängt an zu lächeln. 
sein lächeln gleicht eine fratze,
von einen schlechten horrorfilm. 
er scheint froh zu sein
das mein blut gestillt ist, 
und das er mich endlich 
aus seiner praxis scheuchen kann. 
ich verlasse mit lautlosen schritten
die praxis. 
der tod
und eine person, 
die meine mutter sein soll, 
folgen mir 
auf schritt und tritt. 
ich trete in ein leben, 
wo zorn,
wut, 
und verzweiflung 
mir morgens ins gesicht springt. 
ich trete in ein leben, 
wo verbote, 
schreie, 
isolation,
den tag reagiert. 
ich trete in eine welt, 
wo gitterstäbe vor den fenster sind, 
wo türen abgeschlossen sind, 
und es keine chance gibt 
vor sich selbst zu fliehen. 

Kommentare:

  1. manche menschen wollen nicht verstehen, weil es einfacher ist, mit schönen lügen zu leben und sich um vieles keine gedanken zu machen und leben lieber in ihrer 'alles-ist-gut-welt'.
    um keinen schmerz zu erfahren, um scheinbar glücklich sein zu können.

    AntwortenLöschen
  2. und das hier ist mal wieder ein wundervoller text, der zeigt, was für ein talentiertes mädchen du bist.
    wie schaffst du es immer,gedanken so gut in worte fassen zu können?! <3

    AntwortenLöschen
  3. Ja, so ist das leider viel zu oft das niemand die eigenen stärken kennt, nur die schwächen.
    Aber wenn wir schon dabei sind von Talent zu reden,
    du hast so viel Talent, für deine Texte findet man keine Worte mehr, so gut fasst du Gedanken und erlebtes in Worte. <3

    Danke, das hoffe ich auch.
    Aber ich zweifel daran.

    AntwortenLöschen
  4. Ich gebe den beiden über mir Recht. :)
    Das wird schon irgendwann, versprochen.

    AntwortenLöschen
  5. in der dunkelheit schließen manche lieber die augen...

    ich finde definitiv, dass du talent hast.
    und scheinbar auch ziemlich viele gedanken in deinem kopf.
    manchmal wünschte ich auch, mein kopf wäre voller und nicht immer so leer. nicht so leergeräumt und trostlos.
    ich hoffe, dass das schreiben dir beim ordnen sehr hilft. <3

    AntwortenLöschen
  6. Danke, das ist so lieb von dir.


    Du denkst du hast kein Talent?
    -Ich denke, da liegst du falsch.
    Es schaffen nur wenige mit Worten mitten ins Herz zu treffen, es schaffen nur wenige mit Texten so zu berühren und zu fesseln. Aber Du bist eine dieser ganz wenigen Menschen. Also kann man sagen das du Talent hast, denn es ist so. Und scheinbar bin ich nicht die einzige die das so sieht. <3

    AntwortenLöschen
  7. Nein du nervst mich nicht damit und wirst mich auch nie nerven. Sowas darfst du gar nicht denken! Ich bin froh und dankbar zugleich das du mir immer so aumunternde Worte zusprichst/schreibst.
    Danke. Ich hoffe du kannst den Sonntag auch genießen :)

    Wunderschöner Text!! Bleib Stark

    AntwortenLöschen
  8. Danke für deine lieben Worte ,
    ich wünsche dir auch nur das beste
    <33

    AntwortenLöschen
  9. das klingt schrecklich. was ist passiert, dass es so weit gekommen ist?
    das verhältnis zu deiner mutter klingt nur nach hass.
    man merkt wie distanziert ihr zueinander seit und du dir nur wünschst von ihr akzeptiert zu werden, so wie du bist.

    erst seit zwei monaten. ich wäre es schon viel länger, aber bis es meine mutter akzeptiert hat .. danach fand sie es toll und jetzt ist sie wieder plötzlich dagegen und auf das 'warum' antwortet sie nicht.
    es ist nicht schwer. keiner zwingt mich auf fleisch zu verzichten, ich mach das ja freiwillig. wenn es schwer wäre würde ich es nicht machen.
    sie lässt nicht mit sich reden, sie ist immer beleidigt.

    über ihn habe ich gepostet. und was eine freundin gemacht hat steht auch da. sonst hab ich viele neue freunde gefunden und die schlechten alten hinter mich gelassen.
    es hat sich alles zu guten gewendet, doch ich weiß,
    dass es rückschläge geben wird.

    hass in der familie tut wirklich nicht gut.
    aber nicht akzeptiert zu werden und das gefühl zu haben, dass man nicht zu der familie gehört ist genauso schlimm.
    deine familie scheint hinter der fassade total zerbrochen zu sein.
    hast du geschwister?
    ich hoffe, dass deine mutter noch sieht was für eine tolle tochter sie hat.

    AntwortenLöschen
  10. Wow
    Dein Text ist wundervoll geschrieben.
    Es hat mich sehr berührt.

    Pass gut auf dich auf<3

    Ich folge dir sehr gerne<3

    AntwortenLöschen
  11. ich versuche es!
    ja genau so sehe ich das auch. früher war es einfacher...
    ich meine, dass ein text von mir veröffentlich wurde. aber das erzähle ich nicht gerne, ich fühle mich dann trotzdem noch wie ein loser, sogar mehr als vorher....

    AntwortenLöschen
  12. "ich höre schreie,
    verzweifelnde schreie
    von einer mutter,
    die wohl meine mutter
    sein sollte."

    wenn du so weiter machst zitiere ich dich bald wie goethe.
    darf ich?

    AntwortenLöschen
  13. Ich habe dich getaggt. :*

    AntwortenLöschen
  14. danke für deine meinung :)
    du hast recht und
    ich glaube ich behalte den blog
    <333

    AntwortenLöschen
  15. Erstmal danke ich dir für deine lieben Kommentare. Sie haben mich sehr erfreut. Ich hoffe, dass auch du die Liebe spüren darfst eines Tages. Sodass du glücklich werden kannst, keine Sorgen mehr hast und jemanden hast, der dich hält.
    Ich finde es nett, dass du mir keinen Vorwurf machst. Die wenigsten reagieren so, leider. Ich wäre froh, wenns mehr Menschen wie dich gibt. Zumindest so wie ich dich "kenne".

    Ich hoffe, dass sich das Leben, das du da oben beschrieben hast irgendwann ändert. Dass du so nicht leben musst. Dass es sogar veilelicht schon etwas geändert hat. Das weiß ich leider nicht. Ich hoffe es für dich und dass dich irgendwann diese grässlichen Erinnerungen loslassen. Dass du frei von ihnen bist.
    P.s. ich finds traurig, dass ich deinen anderen Blog nicht mehr folgen kann. Ich mochte ihn sehr gerne.

    AntwortenLöschen
  16. Oh, ich hoffe dass das für dich kein Problem war. Ich habe dich auch verlinkt, aber da du deinen anderen Blog für mich gesperrt hast, kann man da nicht mehr draufklicken.

    AntwortenLöschen
  17. ach is nicht schlimm wenn du dich bedankst. aber ich finde das musst du einfach nicht.. weil du schreibst einfach toll. :)
    &nein, deine frage ist kein blödsinn, nur weiß ich echt keine antwort auf die frage..

    AntwortenLöschen